Schafe

Abstammung / Geschichte

Das Ouessantschaf bzw. Bretonische Zwergschaf stammt ursprünglich aus Frankreich von der Île d’Ouessant, einer vor der bretonischen Küste gelegenen Insel. Auf der baumlosen, windumtosten Insel entwickelte sich durch natürliche Selektion eine kleine, sehr widerstandsfähige Schafrasse.
Sie gehören zur Gruppe der nordischen Kurzschwanzschafe, die alle vom wilden Mufflon-Schaf abstammen. Zur engeren Verwandtschaft gehören z.B. auch die Schnucken und die Skudden.

Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts verschwand das Schaf fast von der Insel. Danach wurden größere, wirtschaftlich interessantere Schafe eingekreuzt.

Die Ur- Ouessants standen kurz vor dem Aussterben. Es ist einigen Liebhabern der ursprünglichen Ouessants zu verdanken, dass es diese niedlichen Tiere überhaupt noch gibt! In den 70er Jahren suchten sie Tiere des ursprünglichen Typs zusammen und legten den Grundstein für die heutige Ouessantzucht.

Anatomischer Aufbau / Merkmale

Die Ouessantschafe sind die kleinste Schafrasse der Welt! Die Tiere erreichen nicht einmal 50 cm Schulterhöhe! Die Böcke sind max. 49 cm, die weiblichen Tiere max. 46 cm „groß“! Achtung: Sie werden erst mit 3-jährig definitiv gemessen, da sie bis dann wachsen können. Neben „normalen“ Schafen sehen sie wirklich wie Zwerge aus. Die Größe (respektive Kleinheit) ist aber nicht das alles entscheidende Merkmal! Es zählt die Gesamtheit aller wichtigen Merkmale wie Kopfform, Hornform (bei den Böcken), Proportionen, Klauenqualität und die Gesamterscheinung (keine schwächlichen, zartgliedrigen Tiere). Es gibt sie in den Farben schwarz (die ursprüngliche Farbe), braun und weiß. Die Schimmelfarbigen sind noch ziemlich selten. Wie überall, ist es Geschmackssache, welche Farbe einem am besten gefällt. Richtige Hörner haben nur die Böcke. Bei der Auswahl eines jungen Bockes ist darauf zu achten, dass die Hörner nicht zu eng stehen. Die Mutterschafe haben manchmal einen Hornansatz.

Im Verhältnis zu ihrer Größe verfügen sie über ein sehr dichtes Wollvlies. Kurz vor der Schur sehen sie wie wandelnde Wollknäuel aus und entsprechend gewohnheitsbedürftig nach der Schur!

Haltung / Gesundheitsvorsorge

Die Tiere brauchen eine Weide mit einem dreiseitig geschlossenen Unterstand, der sie vor zu starker Sonneneinstrahlung und Regen schützt. Im Sommer reicht Gras, im Winter muss ausreichend frisches Heu vorhanden sein werden. Frisches Wasser und ein Leckstein müssen immer zur Verfügung stehen.

Im Winter kann auch etwas Kraftfutter zugefüttert werden. Auch getrocknetes Brot schätzen die Tiere sehr.

Ouessants müssen einmal im Jahr geschoren werden. Gleichzeitig sollten die Klauen kontrolliert und eventuell geschnitten werden. Auf weichen Böden besteht eher die Gefahr, dass die Klauen zu lang werden. Aber im Allgemeinen haben die Ouessants keine größeren Klauenprobleme. Schafe sind zwar relativ anspruchslose Tiere, aber auch sie werden leider nicht von Krankheiten und Parasiten verschont.

Fortpflanzung

Die Tiere sind saisonal von Oktober bis Januar, zum Teil bis im März brünstig. Nach einer Tragzeit von 5 Monate kommen die Lämmer zur Welt! Der Normalfall ist ein Lamm, Zwillinge sind sehr selten und auch nicht erwünscht. Meist verläuft die Geburt problemlos, selten ist ein Kaiserschnitt notwendig.Die Lämmer wiegen bei der Geburt ca. 1.5 bis 2 Kilo! Deshalb sind sie in den ersten Wochen unbedingt vor den Füchsen zu schützen! Sie sind winzig und für Füchse, die ihren Nachwuchs versorgen müssen, ein gefundenes Fressen, d.h., sie müssen nachts eingestallt oder mittels funktionierenden Elektrozauns (tägliche Funktionskontrolle ist sehr ratsam!) geschützt werden! Ferner sind Angriffe von Krähenvögel auf Lämmer vorgekommen.

 

Entwurmung

Die Tiere müssen mindestens zwei Mal jährlich entwurmt werden! Früher wurde mehr entwurmt, aber heute kennt man in der Schafhaltung das Problem resistenter Wurmpopulationen, d.h., man gibt seinen Tieren ein Entwurmungsmittel und die schwächsten Würmer werden tatsächlich abgetötet, aber einige überleben die Prozedur und bilden so resistente Stämme. Daher tendiert man heute eher dazu, nicht mit der Keule um sich zu schlagen, sondern die Tiere gezielt zu entwurmen, d.h., Kotproben nehmen und dann gezielt diejenigen Parasiten, die nachgewiesen werden, bekämpfen. Am besten bespricht man die Antiparasiten-Strategie mit seinem Tierarzt.

Parasiten

Dazu gehören verschiedene Arten von Flöhen, Läusen, Zecken. Einige Wurmmittel töten auch Ektoparasiten ab. Man kann die Tiere auch in ein Räudebad stecken, am besten gleich nach der Schur.

Wichtig ist, dass man seine Tiere beobachtet, und wenn sie sich gehäuft kratzen oder sonstiges Unwohlsein zeigen, genauer untersucht.

Breinieren (Chlostridien)

Chlostridien sind Bakterien, die immer vorhanden sind, aber sich aufgrund diverser äußerer Umstände plötzlich so stark vermehren, dass sie das Tier in weniger Stunden töten. Man stellt am Abend fest, dass das Tier etwas komisch dreinschaut und am nächsten Morgen ist es tot! Und es ist ein qualvoller Tod!  Eine Impfung ist möglich.

Ouessants und Kinder

Die Ouessants sind nicht nur klein und niedlich, sie werden auch sehr zahm und anhänglich. Daher sind sie für Kinder gut geeignet. Aufgrund ihrer geringen Größe haben auch kleine Kinder keine Angst vor ihnen.

Vorsicht ist allerdings bei den Böcken geboten: Manche von ihnen haben einen überhöhten Schutztrieb und wollen "ihre“ Schafe vor allem und jedem beschützen. Das führt dazu, dass sie alles, was sich bewegt angreifen. Sie wiegen zwar nicht mal 20 Kilo, aber wenn sie einem mit Anlauf in die Knie rammen, tut es trotzdem weh! Bei kleinen Kind ist es dann nicht das Knie sondern der Kopf. Es sind bei weitem nicht alle Böcke "böse", und woran es genau liegt, warum der eine ein absolut lieber Kerl und der andere aggressiv ist, kann niemand so genau sagen. Es heißt, sie dürfen den Respekt vor dem Menschen nicht verlieren. Daher raten wir Familien mit kleinen Kindern unbedingt dazu, sich nur weibliche Tiere oder weibliche Tiere und einen kastrierten Bock zuzulegen.